Die Mama ist ein Tablet-Muffel

Berühren, zoomen, wischen: Diese Touchscreen-Bewegungen entsprechen laut dem Kunstpädagogen Prof. Dr. Georg Peez (Goethe Universität, Frankfurt) den frühkindlichen Bewegungsmustern, wenn Babys zwischen acht und dreizehn Monaten beginnen, mit ihrem Zeigefinger Brei auf der Tischplatte zu verschmieren. Das Tablet ist leicht, handlich und einfach zu bedienen- also wie für Kinderhände gemacht. Schön. Ich mag aber keine Tablets.

Mein Handy ist besser als ein Tablet

Ich beschrieb mich als zufrieden mit meinem Smartphone. Sehr zufrieden sogar. Damit konnte ich alles machen, was ich so brauchte. Weshalb sollte ich mir daher ein Tablet zulegen? Das war doch im Prinzip dasselbe wie ein Handy, nur in Groß.

Doch dann kam meine Tochter, in ihrem letzten Kindergartenjahr. Es war noch Herbst, und sie hatte bereits einen fixen Weihnachtswunsch formuliert. „Ich wünsche mir ein I-Pad zu Weihnachten. Oder zum Geburtstag von dir, wenn es sich für das Christkind nicht ausgeht.“

Die Fünfjährige wollte es nicht auf den Zufall ankommen lassen: Einer ihrer Geschenke-Geber, sei es das Christkind oder die Eltern, musste ihr das Tablet nun schenken. „Okay“, meinte ich damals, in der Hoffnung dieses Begehr würde, wie so viele andere ihrer Konsum-Verlangen, im Laufe der Zeit wieder verpuffen. „Mal es dann einfach auf deinen Wunschzettel.“ 

Kinder-Kampagne für das Tablet

Ich dachte, damit hatte es sich erledigt, doch da irrte ich mich schwer. Das Mädchen ließ ab diesem Zeitpunkt keine Gelegenheit mehr aus, um mir und ihrem Vater deutlich zu zeigen, wie praktisch, unerlässlich und sowieso dringend gebraucht dieses Tablet für sie war.

„Alle im Kindergarten haben ein I-Pad!“ beschwerte sie sich beim Abholen.
„Da kann man so tolle Spiele drauf spielen, Mama, da würde ich dich jetzt nicht nerven“, meinte sie konstruktiv, während wir beim Doktor warten mussten und sie fortlaufend aus Langeweile auf die Toilette wollte. „Da könnte ich jetzt meine Serie drauf gucken”, wurde gejammert, als wir „Tom und Jerry“ im TV verpasst hatten. „Da könnte ich dann auch Fotos drauf schauen”,  gab sie beleidigt zurück, als ich ihr nicht erlaubte, mit meinem Smartphone zu spielen.

Von Oktober bis Dezember gab es fast täglich einen kleinen Exkurs über die Vorteile und Nutzen eines Tablets. Das Kind blieb beharrlich. Und ich wurde mürber in meiner Anti-Tablet-Einstellung: Die Fünfjährige hatte mich weich geklopft. Aber sowas von!

Tablets – harte Arbeit für Eltern

Wir hatten ein Android-Tablet aus zweiter Hand erstanden, es musste ja nicht gleich ein teures neues sein, für ein Kind. Was investiert wurde, war Zeit: Das Einrichten der Kindersicherungen, Apps installieren und einen Pony-Desktop-Hintergrund konfigurieren. Leider entpuppte sich das als nur die Spitze des Eisberges. Jedes einzelne Spiel musste gezeigt werden. Jeder Knopfdruck gelernt.

„Mama, kannst du mir eine neue Folge reingeben?“ „Mama, ich komm da nicht hoch!“ fluchte sie beim Spielen wütend und quengelte, dass ich ihr ein Level fertig machen sollte. „Mama, was steht da?“ wollte sie laufend wissen, denn sie konnte ja noch nicht lesen.

Tablet-Zeit bedeutete: „Mama sitzt daneben und hilft mir!“ Und nicht: Mama kann schnell mal einen Artikel im Wartezimmer lesen, Mama darf ungestört kochen. Und so kam es, dass ich begann, mir Ausreden einfallen zu lassen, wenn gefragt wurde: „Mama, darf ich mit dem Tablet spielen?“

Meine Tablet-Ausreden

Läuft jetzt nicht gerade „Mia and me“ im Fernsehen?

Später, ja? Ich hab grad nasse Hände, das ist nicht gut für den Touchscreen!

Uh, ich glaube, wir müssen das Tablet aufladen. Das hat keinen Akku mehr!

Ich kann das Ladegerät nicht finden. Ich lade es dann in der Nacht auf, ja?

Der Router hat was. Das W-Lan funktioniert nicht. Ohne Internet macht das Tablet keinen Sinn!

Ich bin eine böse Mutter, ich weiß. Ich mag halt keine Tablets.

Hat dir der Beitrag gefallen? Dann like DIGITALPARENTS!

Showing 2 comments
  • Digitalparents Bloggerin: Katharina
    Antworten

    Das Ganze ist schon vor einiger Zeit passiert, aber ich dachte mir, ich poste den Beitrag noch einmal, weil ja Weihnachten naht und sich einige Eltern wahrscheinlich überlegen, ein Tablet für die Kids anzuschaffen. Wie gesagt – es lag wohl an der App, lol 😉 GLG eure Kathi

pingbacks / trackbacks

Leave a Comment

*