Die TikTok-Taktik (Part 1)

Seit mehr als einem Monat teilen meine Tochter und ich uns einen TikTok-Account. Ich selbst habe noch kein eigenes TikTok-Video gepostet, sollte aber einen peinlichen Mama-Tanzclip hochladen, um mein Kind zu erschrecken. Denn sie ignoriert mich, wenn ich über die Gefahren der Social-App sprechen möchte…

Große TikTok-Community, kleine Nutzer

Momentan sind es 20 TikTok-FollowerInnen und stattliche 267 Likes, die das Mädchen besitzt. Ich bin schnell dahinter gekommen, weshalb die Anzahl der Herzen dermaßen hoch ist: die Schülerin hat ihre Videos heimlich öffentlich gepostet. Das kann sie jetzt nicht mehr, ihr Konto ist wieder auf privat, ich habe gelernt und kontrolliere. Eine Elfjährige in einer weltweiten Timeline voller Halbwüchsiger, die sich selbst inszenieren? Umgeben von Trends wie #bellydance? Da möchte die Mutter ein Auge drauf haben! 

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Ab und zu eine App-Kontrolle

„Pornofalle TikTok!“ und „So bewahren Sie Ihre Tochter vor Pädophilen!“ – die Google-Suchergebnisse unterstrichen meine Meinung. Das Kind musste mich lange bearbeiten, bis ich nachgab und ihr ein eigenes Profil erlaubte. Und das tat ich später nur unter der Bedingung, dass ich mit ihrem Account über meinem Handy ebenfalls eingeloggt bin. Vertrauen ist gut, mütterliche TikTok-Kontrolle besser.

TikTok-Likes – das Ziel vor Augen

„Mama, dann kann mich niemand außer meinen FreundInnen sehen!“ Mein vehementes Verbot, die Videos öffentlich zu teilen, war schrecklich für die frischgebackene TikTok-Userin. Ihre TikTok-Community soll wachsen, wie die Anzahl der Herzen. Um möglichst viele Interaktionen zu erhalten, wird laut und weit geworben. Das bestätigen bereits die Benutzernamen.

„Danke für 1k Likes“, heißt ein Profil, der Junge zählt höchstens zehn Jahre. „Ich folge jedem zurück“, tönt der Account einer Zwölfjährigen, die Videos sind tanzende Avatare aus diversen Games. „Mein Name ist Wurmi und ich freue mich über Kommentare“, blitzt es in roter Schrift durch den Clip meiner Tochter.

„Vodafone.de“-Link: Die größten TikTok-Stars

Geklaute TikTok-Ideen

TikTok-Challenges, TikTok-Memes, TikTok-Tutorials, TikTok-Comedy und TikTok-Pranks: Die (angehenden) Teenager buhlen mit allen Mitteln um Aufmerksamkeit. Ihre Clips sind teilweise richtig einfallsreich und in mühevoller Kleinarbeit gestaltet. Mein Nachwuchs hat ebenfalls Postings archiviert, die mich staunen lassen.

Im Gegensatz sieht man aber, dass die jungen TikTok-NutzerInnen beliebte Videos nachahmen (so gut sie eben können). Themen wie Urheberrecht und Datenschutz blendet meine Tochter aus, obwohl sie darüber Bescheid weiß. Sie durfte am Donaukanal eine knallige TikTok-Katze sprayen. Ein Bild, stellvertretend für ihren TikTok-Account: groß, bunt und öffentlich. 

Die Likes und FollowerInnen sind wichtiger als Kreativität? Oder gibt es auch bei TikTok eine Netiquette und wir Erwachsenen passen nicht zur Community? Kommunizieren die Kids in einer Video-Sprache, die wir Erwachsenen nicht verstehen wollen und können? 

Mehr dazu: Die TikTok-Taktik (Part 2): Ich muss gar nix!

Realität im TikTok-Homefeed schaffen

Meine Informationsmaßnahmen stoßen weiterhin auf präpubertären Widerstand. „Mama, hör auf damit, du nervst! Ich weiß das eh alles!“, ist der Dauer-Status meiner Tochter. Das weckt nicht gerade mein Vetrauen.

„Schau-Hin“-Aktion: TikTok-Elterntipps

Nein, da bleibe ich in Bereitschaft, schaue täglich in die App. Und bereite im Geiste einen nervigen „I‘ll be watching you“-Tanzclip für den TikTok-Notfall vor. Hat jemand weitere Vorschläge? 

(Bild Quelle und Copyright)

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