Die TikTok-Taktik (2): Ich muss gar nix!

Die TikTok-Taktik (2): Ich muss gar nix!

Was Eltern über TikTok wissen sollten: Ich dachte, dass die TikTok-Begeisterung meiner Tochter vergeht. Früher oder später verglüht der erste Enthusiasmus und weicht einer Tiktok-Langeweile. Über kurz oder lang hört es auf, dieses: „Mama, du musst dir das TikTok-Video anschauen!“ Nope. Tut es nicht. Mama muss. 

Dann kam die TikTok-Flut

Es waren einige Wochen vergangen, seit meine Tochter ihren eigenen TikTok-Account verwalten durfte (“Die TikTok-Taktik Part 1”). Das Mädchen hatte inzwischen 65 Videos gepostet. Fünfundsechzig! Ich wollte unbedingt einen Vergleich und klickte auf die Profile ihrer TikTok-FreundInnen, um deren Clips abzuzählen. Nervös musste ich scrollen und addieren. (Grafik TikTok NutzerInnenverhalten)

Braves Kind! Sie lag im unteren TikTok-Durchschnitt. „Höchstens ein Video pro Woche wird veröffentlicht!“, beschloss ich dennoch nach dem Zwischenfall. Die Elfjährige wurde bei der Ansage käsebleich vor Schock. Ich lenkte ein und erlaubte drei TikTok-Postings. Es mussten drei Videos sein! Und wie das Kind auf die vielen TikTok-Ideen kam, wurde mir schnell bewusst.

Kleine kopierende TikTok-Klone

Clips vom Baby-Bruder mit Schnuller, tanzende Fortnite-Avatare – das befand sich im Standard-Repertoire jedes TikTok-Profils. Ältere NutzerInnen machten es vor, die jüngeren Fans drehten die Videos nach. Und weil es gut geklappt hat, gleich noch eines von der Sorte. Auf diese Weise wiederholten sich die Gags, Themen und Strukturen der Videos. (Top 20 Influencer auf TikTok)

„Mama, du musst dir dieses witzige Gesicht anschauen. Du musst jetzt!“ Ich hatte keine Chance: „Toll, deine Freundin benutzt einen Bambi-Filter und blickt uns mit Rehaugen an!“ Ganz was Neues! Die langweiligen Filter-Tiere gehörten meiner Meinung nach alle tief in den TikTok-Wald zurück gescheucht. Daher zeigte ich dem Kind eines Tages in aller Deutlichkeit, dass mich die Realität mehr interessierte, als ihre TikTok-Wiederholungen!

Kunst zwischen den Tiktok-Likes

Ich wies ihre Tiktok-Anfrage harsch ab. „Es ist nur eine App, erzähl mir lieber von dir!“ Mein Machtwort tönte laut durch den Raum.„Aber Mama, ich habe mir voll viel Mühe gegeben. Und mir extra was überlegt. Du bist echt gemein. Dich interessiert gar nicht, was ich gemacht habe!“ Hah, mein schlechtes Gewissen haute mir eine TikTok-Watsche ins Gesicht. Das arme Mädchen wollte mir ihr Meisterwerk zeigen. Hatte sich kreativ betätigt. Musste bestärkt werden, musste!

Die TikTok-Frames erweitern

Daher lobte ich brav ihr hundertstes Filmchen, das vielen anderen TikTok-Clips ähnelte. Was hätte ich tun sollen? Die TikTok-Kunst der Tochter nicht honorieren? Konsequent bleiben und darauf beharren, dass sie lieber offline spielte? Erkannte ich Interesse an der Filmkunst oder waren die TikTok-Episoden pubertäre Selbstdarstellung? (TikTok-Trends 2020)

Um das heraus zu finden, möchte ich einige Clips mit meiner Tochter zusammen drehen. Damit sie auf alternative Methoden und TikTok-Ideen kommt. Dann kann ich nicht mehr motzen und sie erhält mehr Skills. Und wir können beobachten, wohin dieses TikTok-Interesse führt. Aber ich bin vintage und habe keine Ahnung von Video-Schnitt. Und wahnsinnige Lust auf die TikToks habe ich auch nicht. Aber ich muss wohl, ich muss.

Grafik: TikTok-NutzerInnen werden älter

(Bild Quelle und Copyright)

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