“Die Hefterl, die verdammten!”

Momentaufnahme: Die Tochter möchte ein Kindermagazin. Ein buntes Heft mit tollen Extras. Mit Stickern und Plastikzeugs. Dabei liest sie die Zeitschriften nicht einmal. Und schon beginnen die Schwierigkeiten…

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„Mama, darf ich ein Heft haben?“ Ich blicke über meine Schulter, an der Supermarkt-Kassa stehend. Weiter hinten lauert meine Tochter, beim Regal mit den Zeitschriften. Sie hält zwei der bunt bedruckten Dinger in der Hand. Instinktiv reagiere ich schnell: „Nein, ich habe dir vorgestern ein Magazin gekauft!“

„OK!“ sagt das Mädchen. Die Kassiererin schaut erstaunt auf. Man kennt sich. Weil wir in meinem Stamm-Supermarkt sind, direkt bei meiner Wohnung. Die Dame an der Kassa lächelt. „Wie brav!“ Damit bewundert sie die Stärke meiner Volksschülerin, keine Bettel-Attacke zu starten. Um trotzdem das Comic zu erstreiten. Doch da kommt schon mein Nachwuchs. Das Kind hat ihr Superheld-Argument im Schlepptau.

Kindermagazine- meine Blattkritik

„Aber in der Packung ist ein Armband! Ein voll Tolles!“ Mehr meckert sie nicht. Vielleicht findet die Siebenjährige unsere Diskussionen an der Kassa endlich unnötig, hoffe ich. Weil es mir ähnlich geht. Ich schweige auch. Beide hätten wir streiten können, wie oft. Ich hätte vorgeschlagen:  “Kauf dir das Heft mit deinem Taschengeld. Wenn es dir wichtig ist.“ Die Kleine hätte geantwortet: „Ich war anständig, warum bekomme ich kein Heft?“ Dann ich wieder: „Weil du es ohnehin nicht liest, sondern den Ramsch willst, der daran klebt.“ 

Ich muss meine Tochter aktiv auffordern, ein Magazin zu lesen. Grundsätzlich werden nur Zeitschriften von ihr ausgesucht, die coole Extras inkludieren. Tausend  Furzkissen und Sammel-Tiere schwären in einer riesigen Kiste im Kinderzimmer vor sich hin. Das zählt für die Kleine null. Normalerweise hätte sie daher gejammert: “Ich brauche genau das eine Armband, das bei dem Heft hier dabei ist.” 

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Passiver Widerstand

Gut, dass es nicht soweit gekommen ist. Gut, dass wir beide still sind. Es ist eine Art Friedensvertrag auf “Lillifee-Heften”, ein Tanz zwischen den Supermarkt-Regalen. Auf dem Heimweg streiche ich dem Mädchen über den Kopf und meine ablenkend: „Dafür machen wir jetzt Palatschinken. Und du kannst aussuchen, welche Zutaten hinein sollen.“ Die Aufmunterung prallt ab, eiskalt verzieht das Kind keine Miene. 

Sie rollt theatralisch mit den Augen und sagt: „Ah, mach du die Palatschinken. Ich geh mir ein Armband basteln, weil du mir keines kaufen magst.“  Mein Spross seufzt erbärmlich und straft mich mit Gleichgültigkeit, lässt den Kopf hängen. Den ganzen Weg nach Hause, kein Wort. Nur ein trauriger Manga-Blick. Und wenn sie glaubt, ich sehe weg: Vorwurfsvolles Augenrollen. Ich kann es nicht fassen. 

“Heute ist die Kleine besonders ruhig gewesen”, ertappe ich mich, wie meine Konsequenz schwankt. “Warum muss ich dumme Prinzipien haben?” Ich schnaufe ebenfalls dramatisch. Die trotzigen Diskussionen sind besser. Da darf ich wenigstens genervt sein!

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