Wie DIGITALPARENTS geboren wurde

Hallo, ich stelle mich kurz vor, Katharina mein Name, einunddreißig Jahre jung. Mutter einer Tochter, die gerade sechs geworden ist.  Nachdem ich festgestellt habe, dass mein Spross – wenn die Wahl besteht-  leider viel lieber fernsieht, als sich kreativ zu beschäftigen, habe ich mich selbst an der Nase genommen und den Medien-Alltag mit meinem kleinen Sturkopf reflektiert.

 


Genmaterial


Aufgewachsen in einem pädagogisch wertvollen Lehrer-Haushalt, musste ich mir schon früh meine Fernsehzeiten erkämpfen: Ich war ebenfalls eines jener Kinder, die nicht unbedingt mit Begeisterung den Garten umgruben oder Sport trieben, dafür lieber gemütlich vor der Glotze saß. Von daher bringe ich meiner Tochter ein gewisses Grundverständnis entgegen.

Doch natürlich vertrete ich jedoch die Argumente, weshalb Kinder selbstverständlich besser mit Freunden im Freien spielen sollten, als drinnen herum zu gammeln. Sehr vehement: Wenn meine Tochter nicht mindestens eine Stunde pro Tag draußen tobt, dann macht sie dies mit lauter Stimme, Gepoltere, spontanen “Auf-Dich-Drauf-Hüpf-Attacken” auf jedem und allem, das ihr in die Quere kommt.

 


Generationenkonflikt


Aber ich bin relaxter als meine Eltern: Wir machen dann und wann Filmabende mit Popcorn im Bett, an verregneten November-Sonntagen zieht es uns höchstens ins Kino und die strikte Regel, dass unter keinen Umständen vormittags der Fernseher angemacht werden darf, habe ich in den letzten Monaten aufgegeben: ich kann noch eine Stunde länger schlafen und das ist viel wert, wenn frau tagtäglich um halbsieben aufsteht.

Diese paar Unterschiede werden sich wohl nicht so drastisch negativ auswirken?

Aus mir ist ja auch kein Fernseh-Junkie geworden, im Gegenteil, mein Medienkonsum ist mit den Jahren deutlich gesunken: War ich früher gerne vor dem TV-Gerät und zappte, frage ich mich heutzutage, wie es sein kann, dass es nichts Brauchbares zu sehen gibt, obwohl man über hundert Sender empfängt. Ich schaue kaum fern, höchstens einmal pro Woche spätabends, müde. Meine Quelle ist das Internet. Dort kann ich gezielt das anklicken, was mir gefällt. Wenn ich Zeit habe. Und nicht gerade schreibe. Haha.

 


Die Technik  ist mein Freund


Familiencomputer haben wir noch keinen, das passiert alles auf meinem höchstpersönlichen Laptop, an den meine Tochter nicht ran darf. Nur, wenn ich ihr einen Kinderfilm vorbereite. Sie kann ja nicht lesen, daher hat sich die Frage noch nicht gestellt, ob wir einen Computerzugang für sie brauchen. Bis jetzt. Das, was die Kleine unbedingt wollte, war ein Tablet. Um mit Apps zu spielen. Alle ihre Kindergartenfreundinnen besitzen bereits eines. Und wie sie sich gefreut hat, als sie zum sechsten Geburtstag ein solches auspackte!

Liebevoll pflegt sie seitdem eine Katze, die gefüttert, gewaschen und unterhalten werden möchte (erinnert mich schwer an meinen Tamagochi) und spielt Jump and Run Games.Doch nur, wenn ich es erlaube. Oder der “Akku nicht gerade leer” ist. Oder das W-LAN “funktioniert”. Jaja, die Technik ist ein Hund und hat mir schon manche Diskussion erspart. Hingegen wie gesagt, bis jetzt. Denn mittlerweile kommt es ihr seltsam vor, dass der Router fast immer defekt ist, ich aber an meinem Computer einwandfrei arbeiten kann. Und sie will andere Spiele, mehr selbst bestimmen.

 


Alternativen zur kreativen Langweile


Dennoch: Trotz regem Programm wie Bastelkurs, Großeltern auf dem Land, täglichen Puppen-Karten- oder Brett-Spielen sowie Gutenacht-Lektüren als Anregung und einem vollem Kinderzimmer mit wasweißichwievielen Stofftieren, kistenweise Barbie-Spielzeug, Puppenkleidung von drei Generationen, einer Spiel-Küche, Golf- und Basketball-Zubehör, einem Hochbett mit Rutsche, zighundert Buntstiften, Stickern und Lego-Klötzen:

Meine Tochter kann sich am besten selbst beschäftigen, wenn der Fernseher im Hintergrund läuft. Sie hat ihren eigenen im Kinderzimmer, nur auf zwei Kinderkanäle programmiert. Ist dieser ausgeschalten, überkommt sie die Langeweile und ich höre: „Mama, mir ist langweilig!“ Mama, können wir was spielen?“ „Mama, darf ich fernsehen?“ „Mama, ich will an deinem Computer was schauen!“ „Mama, ich mag das Tablet haben?“

 


Zum Ziel streiten?


Irgendwann war es dann soweit: das erste Fernsehverbot, weil im Supermarkt bei jedem zweiten Regal irgendein Ding quengelnd und mit Beharrlichkeit verlangt wurde. „Wenn du jetzt so weitermachst, bleibt das Sandmännchen heute aus!“ Daheim angekommen, von der mütterlichen Konsequenz überrascht, trauerte mein Kind dermaßen herzzerreißend um ihr Abendprogramm, dass ich Mitleid bekam und mit ihr, statt verordneter „Nachdenkpause“, spielte. Beim zweiten Mal blieb ich härter, weil ich wirklich sauer war. Da halfen auch die Krokodiltränen der Bestraften nichts mehr. Aus Trauer wurde Trotz, aus diesem entfachte sich Wut, die Zimmertüre wurde zugeknallt, es fielen die Worte „gemein“ und „ur-gemein“. Geheule. Gestampfe mit den Füßen. Dann: Stille. Minutenlang.

Als ich es nicht mehr aushielt und nach einiger Zeit kontrollierte, ob alles in Ordnung war, summte meine Tochter entspannt und auf dem Teppich liegend ein Kinderlied, Pony in der einen, Playmobilmännchen in der anderen Hand und spielte konzentriert. Ich schloss die Türe wieder leise, verstand die Welt nicht mehr. Verbote sollte man doch nicht anwenden, insbesondere beim Fernseher? War dies der lang ersehnte Durchbruch?

 


Rückschlag Ratschlag


Gleich am Anfang, das ist er nicht gewesen! Meine Tochter braucht immer noch regen Zuspruch, um alleine mit sich selbst zufrieden zu sein, ohne Zeichentrickserien im Hintergrund. Wenn die Kiste flimmert, dann klappt es.  Neben Tom und Jerry malt sie, klebt sie, zieht Stofftiere lustig an, erfindet Gegenstände. Ist keine Sendung an, quengelt sie und braucht mich zum Spielen, Vorlesen, Plappern. Da helfen auch keine Hörspiele, Musik CDs oder Radio. Sie kann halt das Gefühl, alleine zu sein, nicht leiden. Das ist auch gut so, finde ich. Bis jetzt. Langsam müsste es auch ohne mich gehen, oder? Das dachte ich und begann, zu recherchieren. Las durch Schlagwörter, Definitionen, Datenbanken. Sammelte. Verwertete. Der typische Eltern-Dschungel voller Tipps: auf eine Frage gibt es hundert Antworten, fünfzig Websites, dreißig Artikel, fünfzehn Expertenmeinungen. Und mir wurde klar: Das Thema Fernsehen ist erst der Anfang.

Das Internet und seine Tücken scharren in den Startlöchern, wollen von meiner Tochter entdeckt werden, irgendwann braucht sie ein Handy. Was „die Schneekönigin“ auf ihrem Lieblingskleid jetzt darstellt, wird später einmal das Profil in einem sozialen Netzwerk sein. Und ich machte mir Sorgen ums Fernsehen?! Lächerlich! Medienkompetenz, das ist es, was sie braucht.

 


Schritt für Schritt


Damit ich konsequent mit diesem Thema umgehe, habe ich beschlossen, einen Blog zu gestallten. Die Informationen, welche ich selbst als nützlich und kompetent eingeschätzt habe, für andere bereitzustellen. Mit diesem Grundwissen bereite ich eine Basis, die Ratschläge der Pädagogen in die Tat umzusetzen. Auf meine Weise. Ich bin keine Super-Kuchenback-Vorzeigemutter. Ich werde es ausprobieren, adaptieren, auf meine Tochter und mich anwenden. Wir werden kreativ sein, basteln, kleksen, Fehler machen und daraus lernen. Ich freue mich darauf. Schritt für Schritt. Noch ist es nicht zu spät, sie auf alles, was da so kommen wird, vorzubereiten!

Noch kann sie mit meiner Begleitung und geschützt entdecken, was gut und weniger gut ist, Wirklichkeit und Schein, worauf man Acht geben sollte und wie viel besser es sich eigentlich lebt, wenn man nicht immer und überall das Handy dabei hat. Aber auch, dass es ganz schön blöd wäre, sich dem allem zu verschließen, weil es so viel Tolles zu entdecken gibt.

 


Einsicht, Vorsicht, Zuversicht


Trotzdem… ich überlege mir ernsthaft, der Kleinen den Fernseher aus dem Zimmer zu nehmen. Eigentlich wollte ich ihr damit Vertrauen und einen verantwortungsvollen Umgang beibringen, aber nun befürchte ich, dass die Versuchung vielleicht doch zu groß ist? Und wie bekomme ich es hin, dass sie dies nicht als Akt der Bestrafung empfindet? Durchhalten und konsequent bleiben oder entfernen? Was denkst du darüber?

 

Leave a Comment

*