Wie DIGITALPARENTS geboren wurde

Hallo, ich stelle mich kurz vor, Katharina mein Name, einunddreißig Jahre jung. Vorarlbergerin in Wien. Mutter einer Tochter, die gerade sechs geworden ist. Ich habe mir vorgenommen, über den Alltag mit digitalen Medien in meiner Familie zu schreiben. Weil ich keine Expertin bin, sondern schlimmer: etwas vintage. Darum sollte ich mich selbst überlisten. Und über Medienerziehung nachdenken, heute über das Fernsehen.  

 

Kreative Langeweile


“Bieten Sie dem Kind Alternativen zum TV”, sagen die Elternratgeber. Ja schon. Gerne. Aber erzieht man das Kind dann nicht dazu, dass es erwartet, ständig von jemanden animiert und bespaßt zu werden?

Trotz regem Programm wie Chor, Bastelkurs, Großeltern auf dem Land, Karten- oder Brettspiele, einem vollem Kinderzimmer mit wasweißichwievielen Stofftieren, kistenweise Barbie-Spielzeug, Puppenkleidung, einer Spiel-Küche, Golf- und Basketball-Zubehör, einem Hochbett mit Rutsche, hundert Buntstiften, Stickern und Lego-Klötzen:

Wenn meine Tochter mal nicht fernsehen darf, dann wird es ungemütlich.

“Aus der Langeweile heraus entwickelt sich die größte Kreativität,” ermutigte mich meine Mutter, wie erwähnt auch Lehrerin. Diese These kann ich bestätigen und belegen. Mit dem ersten Fernsehverbot meiner Tochter, hier die Geschichte:

 

Die Sache mit der Strafe


„Wenn du jetzt so weitermachst, bleibt das Sandmännchen heute aus!“ Die tägliche Debatte beim Süßigkeitenregal im Supermarkt war eskaliert. Doch daheim angekommen und von der mütterlichen Konsequenz überrascht, trauerte mein Kind dermaßen herzzerreißend um ihr Abendprogramm, dass ich Mitleid bekam und mit ihr spielte. Statt der verordneten Nachdenkpause wurde sie bespaßt. Grober Fehler meinerseits.

Beim zweiten Mal blieb ich hart. Da halfen auch die Krokodilstränen der Bestraften nichts mehr. Aus Trauer wurde Trotz und aus diesem entfachte sich Wut. Die Zimmertüre wurde zugeknallt, es fielen die Worte „gemein“ und „ur-gemein“. Geheule. Gestampfe mit den Füßen. Dann: Stille. Minutenlang.

Als ich es nicht mehr aushielt und nach einiger Zeit kontrollierte, ob alles in Ordnung war, summte meine Tochter ein Kinderlied, entspannt und auf dem Teppich liegend. Das Barbie-Pony in der einen, zwei Playmobilmännchen in der anderen Hand, spielte sie konzentriert. Ich schloss leise wieder die Türe und verstand die Welt nicht mehr. War das der lang ersehnte Durchbruch?

 

Das Gute im Bösen


Gleich am Anfang, das ist er nicht gewesen! Meine Tochter spielt immer noch am liebsten mit einer Zeichentrickserie im Hintergrund. Wenn die Kiste flimmert, dann beschäftigt sie sich selbstständig und zufrieden.

Neben Tom und Jerry malt sie, klebt sie, zieht Stofftiere lustig an, erfindet Gegenstände. Ist keine Sendung an, quengelt sie und braucht mich zum Spielen, Vorlesen, Plappern. Da helfen auch keine Hörspiele oder Musik.

Sie kann es halt nicht leiden alleine zu sein. Und das ist auch gut so, finde ich.

Denn ein klein wenig Zeit bleibt uns noch. Bevor mein Spross die Türe verschließen wird, weil sie ungestört surfen oder posten möchte. Bevor der Fernseher uninteressant und ein TV-Verbot wurscht ist. Bevor wir über #bellydance oder Cybergrooming, In-App-Käufe oder Datenschutz sprechen müssen. Bevor ich voller Sehnsucht an das Kinderprogramm zurück denke, weil das damals mein größte Problem gewesen ist…

 

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