Mein Kind goes Smartphone: Summertime sadness

Schön waren die Zeiten, als ich Handyhüllen für die Rabaukentochter häkeln durfte und auf Youtube die Mark-Foster-Videos das Größte für sie gewesen sind. Von TikTok hatte das Mädchen keine Ahnung und sie kannte sich auch noch nicht besser als ihre Mutter mit Whatsapp aus. Letzteres ist mir furchtbar peinlich. Darum schreibe ich ja hier. Damit ich nicht digital-vintage werde. Aber das ist schwer. Warum kann nicht alles so wie früher sein?

 


Mobile Mündigkeit


Es begann letzten Sommer, in dieser einen Woche Feriencamp. Da war ich unglaublich dankbar, dass die Rabaukentochter ein Handy besaß. Sie sollte mich ja damit anrufen. Hat die Urlauberin auch gemacht. Zweimal, in sechs Tagen.

Den Rest verbrachte sie damit herauszufinden, wo man sich ohne Aufsicht Erwachsener küssen konnte. Und dass es eine Pixel-Mörderpuppe gab, die nachts aus den Videos herauskroch und massakrierte, vorzugsweise zehnjährige Kinder. Zurückgekehrt ist mein Spross mit einem Haufen Fragen über männliche Körperteile, fünf Kilo leichter und irgendwie älter.

 


Das Schreien vor dem Sturm


„Ich mach jetzt die Zimmertüre zu, ich schau Youtube!“ Die Anzeichen waren eindeutig, man erkannte schon scharfe Konturen, die Präpubertät nickte in unsere Richtung.

Panisch belehrte ich meine Tochter mit schwarzer Pädagogik, dass ich jeden Klick von ihr nachvollziehen konnte, drohte mit den schlimmsten Strafen, falls sie auch nur irgendein Foto oder Video posten würde und zuckte komplett aus, wenn sie anfing, Phrasen von Teenie-Bloggern zu wiederholen. Warum schon jetzt, sie besuchte doch erst die vierte Klasse? Ich hatte gedacht, mir würden noch ein, zwei gute Jahre bleiben. Bevor das dunkle Zeitalter des Erwachsenwerdens dämmerte.

 


Den Feind zum Verbündeten machen


Mehr oder minder erholt nach diesem Schock, gaukelte ich mir im nächsten Monat vor, loslassen zu können. Und so kam es, dass die Rabaukentochter im Herbst den Schulweg alleine bestreiten wollte und durfte. Sicher vor dem Gebäude angelangt musste sie mich zwar anrufen, aber immerhin- ein wichtiger Schritt für uns beide!

Das Handy entwickelte sich zu einem Alltagsgegenstand, den ich nicht mehr missen wollte. Die Kontrolle darüber, die ich verloren hatte, sollte nun meine Tochter übernehmen. Es blieb mir nichts anders übrig, als ihr zu vertrauen.

 


Smartphone-Schizophrenie


Nun schreibt das Mädchen selbstständig mit der Familie, ihr Freundeskreis hat sich über Whatsapp-Gruppen erweitert, sie achtet auf genügend Guthaben, schaltet das Handy unterwegs brav in den Flugmodus und gibt es abends ab. Plus, sie verfügt täglich über einen Haufen neuer Witze. Noch.

Denn im Gegenzug schaut das Kind zu viel verwöhnte, schier ungebildete Youtube-Channel-Stars und klaut sich bei ihnen Wörter oder Ausdrücke, die mir gar nicht gefallen. Außerdem hat ihr jemand aus der Klasse einmal ein Foto von einem Grabstein mit ihrem Vor- und Nachnamen geschickt. Zudem dreht das Mädchen Videos mit ihrer Freundin, in denen die zwei so tun, als wären sie Berühmtheiten einer Riesencommunity. Und sie will immer mehr, mehr Zeit am Smartphone verbringen. Aber darüber denke ich ein anderes Mal nach, auf Tara. Jetzt erzähle ich davon, wie schön es früher gewesen ist.

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