Thomas Brezina: “Kinder haben ein Recht auf Unterhaltung und Trash!”

“Medienbildung muss nicht weh tun!” Das war das Credo des Symposiums “Über den Handyrand schauen”. Neben ExpertInnen wie der Kinderfilmpreis-Organisatorin Margret Albers, bereicherte auch der beliebte ORF-Produzent Thomas Brezina das Programm. Hier der Bericht einer kleinen Bloggerin, die sich davor fürchtete, ihren großen Star anzusprechen.

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Symposium “Über den Handyrand schauen”

Weil ich gerade zu bloggen begonnen hatte, war das Symposium “Über den Tellerrand schauen” eine glückliche Gelegenheit, von anerkannten ExpertInnen zu lernen. Thomas Brezina stand im Programm! Ich freute mich wie ein Groupie. Und brachte es nicht zustande, den Star anzusprechen. Aber beginnen wir von vorne:

„Im Alltag unserer Kinder spielen Apps, Tablet und PC eine unumgängliche Rolle. Die Onlinewelt darf nicht als eine Extrawelt angesehen werden. Denn sie ist eins mit der Realität.” Die Worte von Golli Marboe, dem Gastgeber des Symposiums, ließen mich aufatmen. Umgeben von PädagogInnen und ExpertInnen, kam ich mir unqualifiziert und unverstanden vor. Als Mutter fürchtete ich mich vor Ratschlägen wie: “Achten Sie darauf, dass Ihr Kind höchstens eine halbe Stunde am Tag mit dem Handy spielt!” Golli Marboe hatte mich mit seiner Aussage überrascht und bestätigt. Und er war nicht alleine. 

Onlinewelt – die neue Realität

Margret Albers, die Geschäftsführerin des Kinderfilmpreises “Goldener Spatz” bekräftigte in ihrem Vortrag die These des Romy-Preisträgers. “Kinderseiten und Youtube-Videos haben einen fixen Platz in unseren Bewertungskategorien. Nur noch die Hälfte aller Kinder bis 14 Jahren sieht fern.” Die beiden Medienexperten rieten den TeilnehmerInnen des Symposiums: “Smartphones sind wahre Schatztruhen! Eltern und PädagogInnen müssen sie ausgraben!” Die Mediepädagogin Barbara Buchegger sprach noch weitere digitale Perlen an.

Virtuelles Universum mit galaktischem Potenzial

“Whatsapp muss nicht zur Dauerkommunikation unter Teenager verleiten. Mit der App lernen die SchülerInnen auch selbstständig, oder machen Hausaufgaben. Und wer hätte gewusst, dass GamerInnen in Vorstellungsgesprächen punkten, weil sie als “World of Warcraft”-GildenmeisterInnen Führungskompetenzen erlernt haben?” Da musste ich schmunzeln, weil ich das Online-Rollenspiel jahrelang gezockt habe. “Frau Buchegger, die Orcs der Welt lieben Sie jetzt!” dachte ich bei mir. Der ORF-Produzent Thomas Brezina pflichtete bei: „Wenn Eltern und PädagogInnen verurteilen, wie unsere Kinder Medien nutzen, schließen wir die Augen vor dem immensen Potenzial!“ Der bekannte Kinderbuchautor zählte erfolgreiche Beispiele auf.

„In Japan sind sogenannte Handyromane auf dem Vormarsch, es gibt Facebookgeschichten. Apps und interaktive Storys faszinieren selbst die Jüngsten. Und diese Begeisterung ist wichtiger als je zuvor!“ Ich erinnerte mich an seine Bücher “Die Knickerbocker Bande” und “Tom Turbo”. Als Kind schmökerte ich seine Werke gerne, weil sie interaktiv waren. Es gab damals schon 3D-Bilder oder geheime Nachrichten zu entschlüsseln. Das war für die 90er Jahre eine Revolution. Ich behielt mir die Sache mit den SMS-Romanen im Hinterkopf. 

Dialog als Werkzeug 

Ein weiterer Ratschlag von Barbara Buchegger war, im Dialog zu bleiben. Gemeinsam mit den Kindern das virtuelle Universum zu entdecken. „Kinder sind oft unter sich im Netz. Sie erarbeiten ihre eigenen Regeln und Umgangsformen und möchten darüber sprechen“, ermutigte die erfahrene Pädagogin von www.saferinernet.at, einer Plattform für sicheres Surfen. Mit dem Vergleich, dass Eltern ihre Kinder nie alleine im Straßenverkehr lassen würden, malte sie mir ein bleibendes Bild in den Kopf.

“Wir begleiten das Kind anfangs über den Zebrastreifen, erst später darf es alleine gehen. Wenn alle Gefahren und Regeln klar sind.” Auch Golli Marboe erwähnte in seinem Vortrag, dass die Aufklärung über Cybermobbing oder Datenschutz ein wichtiges Werkzeug für einen bewussten Umgang mit digitalen Medien ist. “Jedoch liegt mir am Herzen, dass etwas Maßgebliches in Punkto Medienerziehung beachtet wird”, empfahl Thomas Brezina.

Medienbildung muss nicht weh tun

“In meinen Geschichten und Beiträgen versuche ich, niemals zu belehren. Ich erreiche mein junges Publikum über die Vorbildfunktion der Charaktere!” Der Kinderbuchautor warnte davor, zwischen Unterhaltung und Bildung zu unterscheiden. Zwischen leichter Kost und schweren Inhalten. “Das führt in der Regel zu frustrierten Erwachsenen und Kindern.” Er fasste die offene Einstellung zusammen: „Bildung muss nicht weh tun. Und Kinder haben ein Recht auf Unterhaltung und Trash. Es kommt wie immer auf die Dosis an!“ Ein entspannter und weltoffener Thomas Brezina. Warum habe ich ihn in der Pause nicht gegrüßt? Das mit dem Bloggen muss ich noch lernen…

Die Vortragenden

Barbara Buchegger:

Barbara Buchegger, M.Ed, Expertin für digitale Medien in der Bildung und Weiterbildnerin von Lehrenden im Berech E-Learning und Safer Internet. www.saferinternet.at

Margret Albers:

Medienwissenschaftlerin (M.A.), Geschäftsführerin der Deutschen Kindermedienstiftung „Goldener Spatz“ und Leiterin des gleichnamigen Festivals. www.goldenerspatz.de/

Thomas Brezina:

Filmproduzent, Autor. International erfolgreich, etwa 550 Bücher in 40 Sprachen. Für den ORF produziert er das Kinderprogramm. www.thomasbrezina.com

Golli Marboe:

Obmann VsUM: freier Journalist und ORF Konsulent, ehem. Filmproduzent und Lehrender an der Donauuniversität Krems u. Katholischen Medienakademie. www.vsum.tv

Quellenangabe Titelbild: © Tom Storyteller GmbH honorarfrei

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