“The Simpsons”: Eine gelbe Brücke zwischen Generationen und Geschlechtern?

Im Dezember 1989 zum ersten Mal in den USA ausgestrahlt, färben die von Matt Groening entwickelten “Simpsons” mit inzwischen über 115 verschiedenen Autoren, 27 Staffeln und als erfolgreichste laufende Zeichentrickserie die Zimmer auf der ganzen Welt gelb.   Aber wie geeignet ist die Sitcom für Kinder, welche Inhalte sind bedenklich und wie sollen Eltern entscheiden, wenn die Jüngsten ebenfalls vom Simpson-Hype angetan sind?

 


Selbst kleine Kinder kennen “The Simpsons”:


Auch für meine Tochter, stolze sieben Jahre alt, sind Homer, Marge, Bart, Lisa, Maggy und Co keine Unbekannten mehr: Beim Suchdurchlauf zum Kindersender prahlte sie letztens, als diese Serie gerade bei einem anderen Sender flimmerte: „Das sind „Die Simpsons“, Mama, die kenne ich schon. Darf ich das anschauen?“ Meine Zapp-Bewegung gefror, ich blieb bei besagtem Kanal und beäugte einen rauchenden Affen, neben einem ziemlich betrunkenen und laut fluchenden Clown.

Dem ersten Bauchgefühl wurde nachgegeben: „Nein, Schatz! Ich finde das ist noch nichts für dich.“ Aber ich kam mir etwas schäbig dabei vor, bemerkte das Gefühl, als würde ich mit zweierlei Maß messen, eine Doppelmoral vertreten.  Wie konnte ich meiner Tochter etwas verbieten, das ich selbst in ihrem Alter gemacht hatte? Und immer noch tätigte!

 


Ab wie vielen Jahren ist „The Simpsons“ für Kinder geeignet?


„Ich gucke die Serie jetzt noch ab und zu auf Englisch, und finde die Themen, die Sprache und den Humor nicht unbedingt kindgerecht“, dachte ich am selben Abend, während ich mir moralischen Beistand holen wollte und Rat im Web recherchierte.

Damit bezweckte ich, die laute Stimme in mir zu besänftigen, welche brühwarm gestand, dass auch ich bereits als frischgebackene Volksschülerin, mehr oder minder erlaubterweise „The Simpsons“ nicht verschmäht hatte, als die Zeichentrickserie in den 1991er Jahren auch in Österreich gesendet wurde. Doch bei meinem Sprössling schien ich zimperlicher zu sein als bei mir selbst, die Sippe aus Springfield viel zu komplex für ein kleines Mädchen!

Auf den ersten Blick gaben mir diverse Eltern-Foren gleich einmal Recht: Für Kinder unter 10 Jahren bzw. 12 Jahren gab es zig Aspekte an der amerikanischen Kult-Serie, die noch nicht gut verarbeitet oder verstanden werden konnten.

Keine Inhalte für die Kleinsten?

„Mit teilweise drastischen Übertreibungen und drallem Humor werden Themen wie aktuelle Ereignisse, gesellschaftliche Debatten und Probleme, Politik, Auswüchse des Medienzeitalters und Phänomene der Popkultur dargestellt und die amerikanische Mittelschicht auf die Schippe genommen.

Oft enthalten die Folgen Anlehnungen an Buch- oder Film-Klassiker, sexuelle Anspielungen und Witze oder gruselige und blutige Szenen bei den Halloween-Episoden, wie auch „Itchy und Scratchy“ -Szenen, die von jüngeren Kindern nicht einmal verstanden werden.“

 


Offizielle FSK Kennzeichnung ab 12 Jahren:


So stand bei den DVD-Beschreibungen, dass diese für Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen waren und ich fand einen Zeitungsartikel, in dem man vermerkte, dass  in der Schweiz die Serie „The Simpsons“ seit 2009 nur noch mit einer Jugendschutzwarnung gezeigt wurde.  Die Kommentare, welche man zu der Schweizer Jugendschutzwarnung postete, spiegelten eine eher einheitliche Meinung: Übertrieben! Dann könne man auch gleich die alte Debatte über fragwürdiges Verhalten bei Pippi Langstrumpf und Peter Lustig als arbeitsunwilliger Hippie etc. wieder aufgreifen.

Bei diesem Vergleich entspannte auch ich mich allmählich und las beim Weitersurfen im Internet erstaunt, was die sehr anerkannte Fernseh-Website „Flimmo“ über die gelbe Trick-Familie argumentierte:

 


Kinder finden „The Simpsons“ prima:


„Mit dieser Sendung können jüngere Kinder (3-6 Jahre) noch nichts anfangen, für ältere Kinder (7-10 Jahre) gewinnt sie an Reiz, die ältesten (11-13 Jahre) begeistert sie. Von dieser Serie sind Kinder angetan. Die bissigen Seitenhiebe auf Politik und Gesellschaft dürften den Jüngeren dabei eher verborgen bleiben.“

Auch ich hatte manche Witze oder Dinge der Sitcom erst viel später begriffen, als ich erwachsen oder älter wurde,  erinnerte ich mich. Es wurden ja laufend nicht nur aktuelle Folgen, sondern auch alte Staffeln auf mehr als einem Sender ausgestrahlt. Beim wiederholten Ansehen entdeckte man neue Feinheiten, hörte eine schnelle Bemerkung, die man beim ersten Mal nicht verstanden hatte. Und diesen Lernprozess gedachte ich, meiner Tochter nun vorzuenthalten? Immer noch grübelnd drehte ich den Computer ab. Ich fragte mich, ob ich dem Tenor der Eltern und Foren folgen sollte: „The Simpsons“ schauen ist für Kinder ab 7 Jahren in Ordnung!

 


Bindeglied zwischen Kinderkanal und Seifenoper/ Action-Film?


Ich konnte mich nicht ganz an diesen Gedanken gewöhnen, dass meine Kleine aus ihrer Kinderkanal-Sandmännchen-Seifenblase, welche sie bis jetzt so wohl behütet hatte, hinaus wollte. Aber leider, leider wusste die Erstklässlerin mittlerweile, dass die Fernseh-Welt nicht nur aus Disney-Filmen bestand und verlangte danach, diese zu entdecken.

Ich hatte vorhin überflogen, dass die JIM Studie 2015  „The Simpsons“ als beliebteste Zeichentrickserie bei Kinder und Jugendlichen anführte, die Freunde und Freundinnen meiner Tochter interessierten sich selbstverständlich auch für die gelbe Familie und hatten meinen Spross neugierig gemacht.

Irgendwann würde ich ihr nachgeben müssen: „The Simpsons“ war zwar für Siebenjährige noch nicht ganz verständlich, aber das Zeichentrickformat ließ es zu, dass Kinder die Serie von der realen Welt zu unterscheiden vermochten, wenn die Themen überforderten. Und dann fiel mir ein, dass es mir persönlich zehntausendmal lieber war, mit meinem Kind gemeinsam „Simpsons“ zu schauen, als irgendwelche Ponyserien oder Highschool-Superhelden-Comedies im Vorabendprogramm!

 


Ein gelbes Format für die ganze Familie:


Also beschloss ich: Wenn meine Tochter wieder fragen sollte, ob sie „The Simpsons“ anlassen darf, dann würde ich dabei und somit gegebenenfalls bei Fragen im Zimmer und  in Reichweite bleiben. Und ich musste lächeln. Schon komisch, diese Zeichentrick-Serie, welche ich dann und wann gemeinsam mit meinem Kind konsumierte und manchmal die allerneuste Episode alleine und in einer anderen Sprache guckte! Ein Erfolgscartoon, den man selbst nicht nur damals als Kind gesehen, sondern jetzt auch noch als Erwachsener ansprechend fand.

Und neben dem Generationenübergreifenden Argument gab es ja noch jenes der Geschlechter:

Der Papa kennt das auch“, hatte mein Nachwuchs eingeworfen, als ich ihr nicht erlaubt hatte, Matt Groenings Chaosfamilie zu glotzen. Ja das tat er. Der Vater meines Kindes, meine beiden Brüder, meine Schwester: „The Simpsons“ war und blieb eines der wenigen TV-Formate, bei welchem wir uns in der Familie einig gewesen sind. Hier gab es keine Differenzen zwischen Star-Wars und Eiskönigin, actionreichem oder lustigem Miteinander, Helden und Prinzessinnen, Mädchen- und Jungen-Programm, Männer- und Frauen- Interessen. Wir alle haben es geschaut. Und jetzt eben auch meine Tochter.

 


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