„World of Warcraft“: Retrospektive einer betagten Nachtelfe

In diesem Jahr (2020) erscheint die nächste Erweiterung von „World of Warcraft“, dem weltweit erfolgreichsten MMORPG. Man kann „Shadowlands“ bereits bestellen, die Saga fordert ihre SpielerInnen erneut heraus. Auch mich hat das Fantasy-Game ziemlich beansprucht, als ich es lange Zeit zockte. Meine Rückblick inklusive WOW-Lexikon für Eltern.

Der Ruf von Azeroth

Von 2006 – 2008 trieb ich mich ausgiebig in Kalimdor herum. Kämpfte als Nachtelfen-Druidin mit grünen Haaren und auf Damage Dealer geskillt für Ruhm und Ehre der Allianz, natürlich auf einem PVP-Server.

Dann flachte die Geburt meiner Rabaukentochter (2009) die Zeit für meinen digitalen Heldenmut deutlich ab. Um “Wrath of the Lich King” und “Cataclysm” durch zu spielen, benötigte ich drei lange Jahre. Doch die Rüstung ganz abgelegt habe ich erst, als Mists of Pandaria“ erschienen ist. Das Add-On von 2012 mit den Pandabären schien mir zu kindisch für eine Mutter. Selbst der von mir hochgeachtete Travis Fimmel (Vikings), als Anführer der Allianz, im Film “Warcraft- the Beginning” (2016), weckte null Nostalgie. Ich bin bis heute AFK geblieben.

Mit der Horde messen

Dabei zählte ich drei Jahre lang zu den ganz Besessenen. Ich war keine Gilden-Meisterin, keiner, der sich in der Arena battelte. Aber Level für Level questete sich meine grünhaarige Druidin ab 2006 beständig hoch. In der Studenten-WG nebenan, da wohnten die wahren Stars! Die besaßen Goldmünzen und Waffen, von denen ich nur träumen konnte, vom Ruf und Ruhm ganz zu schweigen. Ich verbrachte komplette Wochenenden bei ihnen, um meinen Charakter durch Dungeons ziehen zu lassen.

Für höhere Level nahm ich 2007 in Kauf, drei Tage lang kein Sonnenlicht zu sehen. Dafür bekam ich den Anblick eines heulenden Zwanzigjährigen zu Gesicht, dessen Account man gehackt und geleert hatte. Er gehörte zu den ersten PlayerInnen, die online ausgeraubt wurden und erhielt sogar einige der verlorenen Items und Münzen von “Blizzard” (Hersteller) zurück. Weder die geringe Bandbreite im Internet von 2007, mühsame Bugs, lästige Wartungsarbeiten oder Server-Downs haben jemals eine/n meiner MitspielerInnen zum Weinen gebracht. Kann man nicht erfinden.

Beziehungs-Instanzen

Ein weiteres Drama passierte, als im selben Jahr mein Laptop kaputt ging und mein damaliger Freund und ich uns einen PC teilten. Dementsprechend mussten wir ebenfalls unsere Spielzeiten halbieren. Bei aller Liebe, wer eine Minute überzog, fing sich ein Donnerwetter ein. Kein Wunder dass diese (WOW-) Liaison zerbrach! Er kämpfte für die Horde und ich für die andere Fraktion! Und auch der darauf folgende Ex-Partner hatte unter meiner Nachtelfe zu leiden. Erst einige Monate nach unserer Trennung 2012 stellte er fest, dass ihm immer noch meine fortlaufende WOW-Gebühr von seiner Kreditkarte abgebucht wurde.

Erfahrungspunkte abwarten

Egal,  ob es 2005 oder 2020 ist: Einen großen Teil seiner „World of Warcraft“-Spielzeit verbringt man wartend. Man hofft auf das Auftauchen seines Flugtieres, auf das Handwerksmaterial und seine Gruppenmitglieder. Man wartet auf die anderen SpielerInnen weil man sie braucht. Man lungert vor den Dungeons, den Schlachtfeldern. Hopst mit der Space-Taste, bis verbündete Magier ihr Mana aufgetankt haben und KriegerInnen gerezzt wurden. Den wichtigen Endbossen sollte man nur im Team begegnen. Ohne einen Schadensverursacher (Damage Dealer), einen Tank (Schadensaufsauger) und eine/n HeilerIn wird erfolglos gegen Feinde gestritten.

Diese Gruppen waren ab 2010 gar nicht mehr mein Fall, Raids mit der Gilde schloss ich ohnehin aus. Ich mochte alleine spielen, in Ruhe durch Tiefenheim streifen, abschalten während mein Kind schlief. Ich entwickelte mich von einem geselligen Spieltyp (2006 – 2009) zu einer gemütlichen Mama-Zockerin. Dieses Verhalten wirkte sich fatal auf meine Nachtelfen-Druidin aus. 

Offline, im ewigen Realm

Im Jahr 2013 ging darauf hin kaum etwas voran. Ich hätte die neue Erweiterung gebraucht. Das wollte ich allerdings vermeiden, die Pandaren! Hinzu kam, dass mein Realm leer wurde. Die einen auf dem Server hatten im Laufe der Jahre für mich unerreichbare Kampfkraft erworben, die anderen waren verschwunden. Ich fühlte mich etwas verloren. Trotz der 12 Millionen SpielerInnen, der großen Welt voller Aufgaben, Föderationen, Gegner und Völker. Und so loggte ich mich für immer aus, anstatt den Geister-Server zu wechseln. Ich entschied mich für die Gruppenflucht und gegen die Gruppensucht

Seitdem habe ich keinerlei Heimweh nach Azeroth verspürt. Keines. Ich weiß nur zufällig, dass die gratis WOW-Test-Version bei mir buggt, weil die Linux-Kompatibilitäts-Anwendungen nicht funktionieren, nur zufällig! 

Bild Copyright: https://www.flickr.com/photos/sobcontrollers/3711433740

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