„World of Warcraft“ 2005-2020: Rückblick einer betagten Nachtelfe

Im Sommer 2020 erscheint die achte Erweiterung von „World of Warcraft“, dem weltweit erfolgreichsten Online-Game (MMORPG). Fans können das Add-On „Shadowlands“ bereits vorbestellen. Der Kampf zwischen Horde und Allianz treibt die SpielerInnen in neue Gebiete und Schlachten – es bleibt episch! Auch ich war eine getreue Mitstreiterin im ewig währenden Feldzug des Fantasy-Games. Hier mein “World of Warcraft” Rückblick (2005 bis 2020), inklusive WOW-Lexikon.

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Der Ruf von Azeroth

Von 2005 – 2008 trieb ich mich ausgiebig auf dem Kontinent Kalimdor herum. Kämpfte als Nachtelfen-Druidin mit leuchtend grünen Haaren und unter dem Wappen der Allianz für den Sieg der Menschen, Zwerge und Gnome. Die Heilkunst praktizierte ich kaum, obwohl man das von meinem Volk und meiner  Klasse erwartet hätte. Ich spielte eine Distanzkriegerin, einen Damage Dealer – und das auf einem PVP-Server! Umgeben von feindlichen SoldatInnen der Horde, wie Orcs, Trolle oder Untote. Richtig wagemutig war ich aber nicht.

Massenansammlungen von verbündeten PlayerInnen, die mir ins Sichtfeld rannten, machten mich nervös. Ich gewann weder viel Ruhm im Wettkampfstadion, der Arena, noch führte ich als Gilden-Meisterin die Teammitglieder in die Schlacht. Meine grünhaarige Druidin levelte sich hoch, indem sie fleißig Aufgaben erledigte! Die Quests brachten mich zwar vorwärts, wertvolle Beute vom Endgegner blieb jedoch aus. In der Studenten-WG nebenan, dort befanden sich die wahren Kostbarkeiten!

Von der Horde überfallen

Die Herren aus der Nachbarschaft besaßen Goldmünzen und Waffen, die nur in meinen kühnsten Nachtelfen-Träumen vorkamen. Von Ruf und Ehre ganz zu schweigen. Ich verbrachte komplette Wochenenden bei ihnen, um meinen Charakter durch Dungeons ziehen zu lassen. Für höhere Level nahm ich  es im Jahr 2006 in Kauf, tagelang kein Sonnenlicht zu sehen. Keine Kunst für eine Nachtelfe. Als fragwürdige Belohnung bekam ich den Anblick eines heulenden Zwanzigjährigen zu Gesicht. 

Er hatte während einem unserer Zocker-Samstage bemerkt, dass sein Account gehackt und geleert worden war. Die verlorene Zeit, das Geld, die Gegenstände! Sein ausgeraubter Orc besaß mein volles Verständnis, sogar Blizzard” (Hersteller) zeigte Mitleid: Der Arme erhielt einige der gestohlenen Items zurück. Nach dem Vorfall versuchte ich weniger zu fluchen, wenn mich die geringe Internetbandbreite, mühsame Bugs, Wartungsarbeiten oder Server-Downs zur Weißglut brachten. Immerhin besaß ich noch meinen Zauberstab! Der Vorsatz hielt allerdings nicht lange an: “World of Warcraft”-Liebe ist ein Schlachtfeld.

Beziehungs-Instanzen

Das Drama passierte, als die Erweiterung “The burning Crusade” (2007) erschien und mein Laptop kaputt ging. Mein Freund und ich mussten uns einen PC teilen und dementsprechend die Spielzeiten halbieren. Bei aller Liebe, wer eine Minute überzog, holte sich ein Donnerwetter ab. Die (WOW-) Liaison zerbrach im Jahr 2008. Kein Wunder, er kämpfte für die Horde und ich für die andere Fraktion! Auch der darauf folgende Ex-Partner litt unter meiner Nachtelfe. Erst Monate nach unserer Trennung 2012 stellte er fest, dass ihm noch meine fortlaufende WOW-Gebühr von seiner Kreditkarte abgebucht wurde. Tja. Erinnert sich jemand an den Titel des Southpark-Specials? Make love, not “World of Warcraft”! Es war für mich unmöglich, das Online-Game alleine zu spielen. 

Erfahrungspunkte abwarten

Also musste ich viel warten. Meine Druidin hoffte auf das baldige Auftauchen der Flugtiere, oder die Gruppenmitglieder. Wie oft hopste ich mit der Space-Taste herum, bis verbündete Magier ihr Mana aufgetankt hatten und KriegerInnen vom Friedhof zurück fanden!

Man wartet auf die anderen SpielerInnen, weil die Endgegner nur im Team besiegt werden können. Ohne eine/n SchadensverursacherIn (Damage Dealer), einen Tank (SchadensaufsaugerIn) sowie eine/n HeilerIn stirbt jeder schnell und einsam.

Solche Gruppen waren noch nie mein Fall! Und ab 2009 flachte die Geburt der Tochter meine digitale Geselligkeit weiter deutlich ab. Ich wollte ohne Chat oder Teamspeak spielen. In Ruhe durch Tiefenheim streifen, abschalten während das Baby schlief. Nachbarschafts-Hilfe gab es auch keine mehr: Ich entwickelte mich von einem kontaktfreudigen Spieltyp (2005 – 2009) zu einer Mama-Zockerin. Dieses Verhalten wirkte sich fatal auf meine Nachtelfen-Druidin aus. 

Pandabären – der Anfang vom Ende

Um die Erweiterungen “Wrath of the Lich King” (2008) und “Cataclysm” (2010) durch zu spielen, benötigte ich über 30 Monate. Und ab dem Jahr 2013 flog meine Gestaltenwandlerin einen Bogen um bestimmte feindliche Areale und Elite-Bosse. Ich hätte das Add-On “Mists of Pandaria” (2012) und frische Aufgaben gebraucht, um genügend Stärke für höherstufige Widersacher aufzubringen. Doch ich weigerte mich es zu kaufen, die Pandaren! Pandabären als Volk? “Blizzard” sprach mit den schwarzweißen Bambus-Teddys eine andere Zielgruppe an, nicht mich. Und ein weiterer Punkt kam hinzu.

Mein Realm wurde leer. Ein Hauptteil der KriegerInnen auf meinem Server hatten im Laufe der Zeit eine für mich unerreichbare Kampfkraft erworben. Die anderen waren verschwunden, spielten kein “World of Warcraft” mehr. Ich fühlte mich verloren. Trotz der zwölf Millionen GamerInnen, der gigantischen Welt voller Quests, Föderationen und GegnerInnen.

Offline, im ewigen Realm

Aus diesen Gründen loggte ich mich für immer aus. Die Erweiterungen “Warlords of Draenor” (2014), “Legion” (2016) und “Battle for Azeroth” (2018) schlichen unbemerkt am Alltag vorbei. Meine Nachtelfe fiel in den ewigen Schlaf, bewacht von Cenarius, dem Gott der DruidInnen. Ich hätte den Geister-Server wechseln können. Neu anfangen und MitspielerInnen suchen. Aber ich entschied mich für meine persönliche Gruppenflucht – und gegen die Gruppensucht. Selbst der Film “Warcraft – the Beginning” (2016), mit Travis Fimmel (Vikings) als Anduin Lothar (Anführer der Allianz), weckte null Nostalgie beim Kinobesuch.

Ich bin bis heute AFK geblieben und habe keinerlei Heimweh nach Azeroth verspürt. Keines. Ich weiß nur zufällig, dass die gratis WOW-Testversion bei mir buggt. Weil die Kompatibilitäts-Anwendungen für Linux nicht funktionieren. Rein zufällig weiß ich das! 

Update: Der Fehler ist behoben, ich habe die gratis WOW-Testversion installiert. Und ich bin eine Verräterin! Als Troll kämpfe ich jetzt für die Horde. Denn: “Die Horde rennt!”

Bild Copyright: https://www.flickr.com/photos/sobcontrollers/3711433740

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