DERRISCHE ARSCHLÖCHER!

DERRISCHE ARSCHLÖCHER!

Sommer im Bezirk. Frau Huhnekuhl versteckt ein Geheimnis in ihrem Schlafzimmer. Doch davon ahnen die Polizisten nichts. Die Beamten überprüfen eine Anzeige wegen Lärmbelästigung. Das ist eine Kurzgeschichte zum Thema “Medienkompetenz”, auch wenn der Anschein täuscht. Aber bitte nicht den Kindern vorlesen. Nur für Erwachsene und schlimme Mütter geeignet. 

Frequenzen einer Belästigung

Frau Huhnekuhl schluckt ihren Rülpser des “Gemischten Satzes” hinunter. So nennt sich der Wein, dessen Bouquet an ihrem Gaumen haftet. Drei Flaschen davon in Gesellschaft getrunken. Der rote Tropfen und die Männerhaut, eine lang ersehnte Wohltat. Doch jetzt kämpft die Kurzarbeiterin mit bitterem Aufstoßen. Sie lehnt an der Eingangstüre ihrer Genossenschaftswohnung. Das Kastanienholz begrüßt seit den Achtzigern unverändert. Alter Puder klebt im Gesicht der Brünetten und verheddert Strähnen. Fallen einer schwülen Sommernacht. Die Mutter bindet den Bademantel aus falscher Seide fester zu, sonst sieht man nackte Haut. Verhüllt muss auch das Debakel bleiben. Denn Rascheln aus dem Schlafzimmer transponiert ihre Trunkenheit zu Nervosität.

„Im Nachbargebäude ist alles ruhig. Der Lärm scheint aus Ihrem Haus zu kommen.“ Die zwei Polizisten vor Frau Huhnekuhl sind jung. Unmöglich, dass die beiden über dreißig Jahre zählen. Wenig Sicherheit, um die Uhrzeit. Der männliche Staatsdiener lächelt. Frau Huhnekuhl will seine Reaktion nicht als spitzbübisch auffassen. Stattdessen übermittelt sie ihre Aussage: „Oh. Für mich klingt es, als feiern die Gäste aus dem Restaurant von gegenüber wild.“ Die Uniformträgerin in der Runde verneint professionell mit einer Handbewegung: „Dort sperrt man bald zu. Wir überprüfen, was bei Ihnen im oberen Stock los ist.“ Angespannt seufzt Frau Huhnekuhl den grauen Hosenbeinen nach, als sie die Treppe hoch steigen. Eine Schnapsidee, die Kiberer rufen. Warum dermaßen den Verstand verlieren?

Verminderter Dreiklang

Keine Viertelstunde zuvor blickt sich ein nächtlicher Passant suchend um. „Helfen Sie mir! Niemand bemerkt meine Schreie“, vernimmt er und hält Ausschau nach der Quelle des Geplärrs. Sein silberner „Opel Agila“ parkt direkt unter dem Wohnzimmer von Frau Huhnekuhl. Daher entdeckt er ohne Mühe die Umrisse der Verzweifelten am Fenster. Ihr heller Kimono schimmert verdeckt hinter dem Kontrast des schwarzen Katzengitters hervor. Sie deutet auf die andere Straßenseite zum Lokal. „Bitte sagen Sie drüben, es ist zu laut.“ Der Mann öffnet seine Autotüre und wirft seine Weste ins Fahrzeug. Unnötigerweise mitgeschleppt, bei den Temperaturen. „Was? Nein, sicher nicht!“

Frau Huhnekuhl gerät in Panik: „Der Krach aus dem Beisl! Irgendwann reicht es jedem, glauben Sie mir!“ Dem mobilen Mannsbild ist das völlig einerlei. Er setzt sich ins Gefährt neben die Kleidung, was die Zeternde mit Lauten der Empörung begleitet. „Ich kann mich nicht selbst beschweren gehen und mein schlafendes Kind alleine lassen. Wo bleibt Ihr Mitgefühl?“ Der Ignorant zeigt keines. Er startet den Motor und braust davon. Das fundiert den Eindruck, es liegt ihm grundsätzlich fern, für weibliche Gunst zu werben. Er bevorzugt seine Herrenjacke. Die penetrante Gleichgültigkeit im Bezirk erinnert Frau Huhnekuhl an den Ehegatten. „Dumm wie Branko!“ Ihr Geständnis verstummt auf dem ausgetrockneten Asphalt.

Im Takt mit der Unschuld

Die Polizisten läuten erneut. Frau Huhnekuhl kramt nach dem Ausweis. Sie hetzt ins Vorzimmer, die Ordnungshüter schweigen. Der kleine Sohn lugt um die Ecke. „Kind, ab ins Bett!“ Mütterliche Schweißausbrüche verreißen den Hals. Nach links zum “Ninjago”-Unterhemd, dann zurück zur Schublade: „Akzeptieren Sie die Karte von der Krankenkasse?“ Der Reisepass ist verschollen. Auf Frau Huhnekuhls kurzem Bademantel entstehen Flecke. Bestimmt riechen die Beamten ihre Fahne, die der Wein gehisst hat. Angeschwipst schwenkt sie damit, als schlechte Bürgerin aufzufallen. Sieht man in die unaufgeräumte Küche hinein? Beweisen Grissinikrumen auf dem Teppich ihre Nachlässigkeit? Hört man die dumpfe Geräusche aus dem Schlafzimmer?

„Ja, die passt. Wir brauchen das Geburtsdatum bestätigt. Wohnen Sie hier?“ Frau Huhnekuhl ist erleichtert, sie kann die Frage vorbildlich beantworten. „Natürlich“, erwidert sie gerne. Der Spitzbube schreibt eifrig vom Plastik ab. Währenddessen informiert seine Kollegin: „Also die Tür Nummer 62! Eine betagte Damen ist beim Fernsehen eingeschlafen.“ Der Spitzbube wirft ein: „Sie ist fast taub.“ Frau Huhekuhl zittert am ganzen Körper. Das fällt den Polizisten bestimmt seltsam auf. Keiner meldet eine Lärmbelästigung, nur weil eine Sendung in zu hoher Lautstärke läuft! Statt den üblichen Krawallmachern hat sie eine brave Pensionistin beschuldigt. Das erzeugt ein Nachspiel! Vermutlich wollen die Beamten in die Wohnung und wissen, was wirklich geschehen ist. Welche Improvisation erzählt sie ihrem Sohn, wenn Fremde die Räume kontrollieren? Alles vorbei!

Das Flüstern einer Lüge

Warum bleibt das Restaurant ausgerechnet heute Nacht still? Die Schwingungsstärke im Schanigarten wächst normalerweise mit Uhrzeit und Sommerwärme. Erst nach Mitternacht kühlen die Ohren ab. „Irgendwann reicht es jedem“, wiederholt die Vierzigjährige. Die schrille Rücksichtslosigkeit der Betrunkenen, das Jammern aus dem Kinderzimmer, der Bass von Branko, wenn er schnarcht. Unruhetropfen, gegärt im „Gemischten Satz”, haben Resonanz gefordert. Daher versucht ihre Sprache im Augenblick dasselbe zu verbergen, was auch das Katzengitter dem Passanten im „Opel Agila“ verschwiegen hat. Einen Hilferuf in der erdrückenden Hitze. Die Ertappte zwängt sich in den altbackenen Türrahmen und hofft, darin wie eine vertrauenswürdige Hausfrau zu wirken. Nichts mehr verraten, die Sinnlosigkeit des behördlichen Eingreifens denunziert genug.

„Es tut mir leid. Im August ist es dauernd laut. Sonst habe ich noch nie die Polizei alamiert. Die arme Schwerhörige!“ Frau Huhnekuhl hätte lieber die taktlose Schenke als Ausrede benutzt. Was überzeugend aus dem Mund der Angeklagten dringen soll, verstimmt den Ton mit Befangenheit. Die Gesetzeshüter winken ab. „Schon gut, dafür gibt es uns ja.“ Es ist spät, die Beamten haben ihren Dienst erfüllt. Eine Anzeige ist überflüssig. Die Streife verabschiedet sich freundlich und belanglos. Kein weiteres Verhör, wie befürchtet. Frau Huhnekuhl stärkt ihre weichen Knie, als der Einsatzwagen die Straße entlang surrt. Der Sohn schläft wieder bei seinen Stofftieren. Sie dreht den Schlüssel im Schloss und fegt mit den Zehen einige Brösel vom Läufer im Flur. Glück gehabt.

Die Reglementierung

„Derrische Arschlöcher!“ Frau Huhnekuhl tritt ins Schlafzimmer und zündet eine Zigarette an. Müde schiebt sie das Feuerzeug auf die Kommode. Dann zieht sie den leichten Bademantel aus und schmeißt ihn auf das Bett. Rauch dampft im Kreis der Flugrichtung. Ein Teil des seidenartigen Kimonos verfehlt das Ziel. Die gelben Ärmel landen nicht auf der Matratze. Sondern auf dem Körper von Branko, der auf dem Boxspringbett wartet. Das darf man aber kaum den drei Flaschen „Gemischter Satz“ zuschreiben. Frau Huhnekuhl kann schlecht werfen. Und sie hat sich im Vorzimmer den Nacken verzerrt.

„Die Nachbarin und ihr Fernseher. Einer macht halt immer Krach draußen.“ Der Vater ihres Sohnes ist sprachlos. Ein dicker Knebel und violette Schnüre fesselt ihn. Den Knebel hat Frau Huhnekuhl vorhin hastig benutzen müssen, er sitzt schief. Die lila Seile halten den Ehemann straff am Bettgerüst gefangen. „Du hast umsonst gebrüllt. Die Polizisten sind weg.“ Frau Huhnekuhl betrachtet das Blut auf der Männerunterhose, die am Boden liegt. Die Verfärbung ist vor mehreren Stunden passiert und dunkel geworden. Buntwäsche kommt am Mittwoch an die Reihe. „Ich werde zehn Millimeter deiner Zunge abschneiden. Als Strafe. Aber zuerst rauche ich fertig.“ Sie greift nach dem Aschenbecher.

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