E-Books und Kinderbuchapps in der Familie: GO WITH THE FLOW!

E-Books und Kinderbuchapps in der Familie: GO WITH THE FLOW!

Braucht es noch Kinderbücher, oder fördern interaktive Apps das Lesen gezielter? Tut es den Kleinen gut, wenn sie am Bildschirm schmökern? Schneller und selektiver, als mit gedruckten Werken? Bei der Suche nach Antworten halfen mir der Verleger Heinz Rochholl und die Medienpädagogin Barbara Buchegger: Go with the flow!

Kinder lesen kaum E-Books

Der Anteil der E-Books am Büchermarkt steigt. Im Jahr 2020 sollen es über neun Millionen sein (Digital Market Outlook Studie). Science Fiction und erotische Lektüre ergattern die meisten Downloads, Online-Ausgaben von Magazinen sind die Underdogs. „Auch Kinderbücher bleiben als Printausgabe beliebt“, erzählt mir Heinz Rochholl, vom Telegenos-Verlag. Die KIM-Studie 2018 bestätigt ihn: Nur sieben Prozent der befragten Kinder lesen E-Books. Mit einer Ausnahme.

Das digitale Potenzial nutzen

Was auffällt, ist das große  Interesse an Kinderbuch-Apps. Sie werden zusätzlich zu den Büchern gekauf und lösen das Printprodukt keinesfalls ab. Das belegt die Vorlesestudie von „Stiftung Lesen“. Doch während der Nachwuchs seine interaktiven Bücherspiele liebt, betrachten Eltern die Kinderbuch-Apps kritisch. Grafik: Das denken Eltern über Kinderbuch-Apps

Dabei bringen Lese-Apps einen wichtigen Vorteil mit in die Familie: Ihre Mobilität! Die Kinder können spontan damit spielen, das Handy ist immer dabei. Ein Buch hingegen braucht Platz und wenn man es vergessen hat, droht Geplärr. Andererseits liegt der negative Aspekt der Apps auf der Smartphone-Hand: Eltern, die ständig am Handy scrollen und keine Bücher lesen, sind schwache Vorbilder. Was sagen MedienpädagogInnen dazu?

Lesegewohnheiten prägen

„Natürlich spielt es eine Rolle, wie im familiären Umfeld gelesen wird. Aber Internet und Smartphone rangieren auf dem ersten Platz, was die Mediennutzung der Kinder anbelangt. E-Books und Kinderbuch-Apps sind eine Chance, den Kindern Literatur schmackhaft zu machen.“ Medienpädagogin Barbara Buchegger findet, dass Eltern die Frage nach den Lesegewohnheiten gelassen betrachten sollen. Das leuchtet ein: Junge Lesemuffel finden eine Geschichte am Smartphone attraktiver, als ein Buch. Das haben Schulen und PädagogInnen erkannt und lassen SchülerInnen am Bildschirm schmökern: Sogenannte „Broadstories“ (animierte Bilderbücher) für Eltern und Kinder regen an, auch daheim zu lesen. Das erinnert mich an Marketing-Basiswissen. Link-Tipp: Kinderbuch-App “Die Brille”

Junge Zielgruppen und ihre Kanäle

Wer den Kindern Spaß am Lesen vermitteln möchte, braucht den passenden Zugang und Inhalt. “Lies was gscheits'”, denken sich die Bildungsträger. Und suchen den Weg ins Kinderzimmer über das Smartphone. Der Kinderbuch-Autor Thomas Brezina bekräftigt die These: „In Japan sind Handyromane auf dem Vormarsch, es gibt Facebookgeschichten.” (Thomas Brezina: “Kinder haben ein Recht auf Unterhaltung und Trash!”) Der Lesekonsum hat sich durch die neuen Medien nunmal verändert. Bevor man auf die Smartphones der Kinder zeigt, sollten wir Eltern vor dem eigenen Bücherregal kehren. Meines hat Staub angesammelt.

Die Evolution der Bücher

Auf meinem Wohnzimmersessel stapeln sich sieben Bücher, die ich gerne lesen würde. Mir fehlt es an Zeit und außerdem besitze ich “Audible”. Hörbücher sind ideal für unterwegs, oder wenn ich nebenbei den Haushalt mache. Die Zeiten haben sich geändert. Das Smartphone ist nicht schlechter als ein Buch, sondern besitzt ein anderes Cover. Kinderbuch-Apps oder E-Books: Solange die Kinder lesen, brauchen wir Eltern uns keine Sorgen zu machen. Go with the flow!

Link-Tipp: 1001 kostenlose Online-Kindergeschichten

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