THOMAS BREZINA: “Kinder haben ein Recht auf Unterhaltung und Trash!”

THOMAS BREZINA: “Kinder haben ein Recht auf Unterhaltung und Trash!”

“Medienbildung muss nicht weh tun!” Das war das Credo des Symposiums “Über den Handyrand schauen” (September 2016). Neben zahlreichen ExpertInnen, bereicherte auch der beliebte ORF-Produzent Thomas Brezina das Programm. Hier der Bericht einer kleinen Bloggerin, die sich davor fürchtete, ihren großen Star anzusprechen.

Symposium “Über den Handyrand schauen”

Weil ich gerade zu bloggen begonnen habe, ist das Symposium “Über den Tellerrand schauen” eine glückliche Gelegenheit, von anerkannten PädagogInnen zu lernen. Thomas Brezina wird angekündigt! Ich freue mich wie ein Groupie. Und bringe es nicht zustande, den Star zu grüßen. Aber beginnen wir von vorne:

„Im Alltag unserer Kinder spielen Tablet und PC eine unumgängliche Rolle. Die Onlinewelt darf nicht als eine Extrawelt angesehen werden. Denn sie ist eins mit der Realität.” Die Worte von Golli Marboe, dem Gastgeber des Symposiums, lassen mich aufatmen. Umgeben von Medienmachern und ExpertInnen, komme ich mir unqualifiziert und unverstanden vor. Als Mutter fürchtet ich mich vor starren Regeln: “Achten Sie darauf, dass Ihr Kind höchstens eine halbe Stunde am Tag mit dem Handy spielt!” Golli Marboe überrascht mit seiner Aussage. Er bestätigt meine Meinung. Und ist damit nicht alleine. 

Onlinewelt – die neue Realität

Margret Albers, die Geschäftsführerin des Kinderfilmpreises “Goldener Spatz” bekräftigt in ihrem Vortrag die These des Romy-Preisträgers. “Kinderseiten und Youtube-Videos haben einen fixen Platz in unseren Bewertungskategorien. Nur noch die Hälfte aller Kinder bis 14 Jahren sieht fern.” Die beiden Medienexperten raten den TeilnehmerInnen des Symposiums: “Smartphones sind wahre Schatztruhen! Eltern und PädagogInnen müssen sie ausgraben!” Die Mediepädagogin Barbara Buchegger spricht weitere digitale Perlen an.

Virtuelles Universum mit galaktischem Potenzial

“WhatsApp muss nicht zur Dauerkommunikation unter Teenager verleiten. Mit der App machen SchülerInnen auch selbstständig Hausaufgaben. Und wer hätte gewusst, dass GamerInnen in Vorstellungsgesprächen punkten, weil sie im Spiel “World of Warcraft” wichtige Führungskompetenzen erlernt haben?” Da muss ich schmunzeln, weil ich das Online-Rollenspiel jahrelang gezockt habe. “Frau Buchegger, die Orcs der Welt lieben Sie jetzt!” Der ORF-Produzent Thomas Brezina pflichtet bei: „Wenn Eltern und PädagogInnen verurteilen, wie unsere Kinder Medien nutzen, schließen wir die Augen vor einem immensen Potenzial!“ Der Kinderbuchautor zählt erfolgreiche Beispiele auf.

„In Japan sind sogenannte Handyromane auf dem Vormarsch, es gibt Facebookgeschichten. Interaktive Storys faszinieren selbst die Jüngsten. Und diese Begeisterung ist wichtiger als je zuvor!“ Ich erinnere mich an seine Bücher “Die Knickerbocker Bande” und “Tom Turbo”. Als Kind habe ich seine Werke gerne geschmökert, weil sie interaktiv sind. Es gibt 3D-Bilder oder geheime Nachrichten zu entschlüsseln. Ich behalte mir die Sache mit den SMS-Romanen im Hinterkopf. 

Dialog als Werkzeug 

Ein weiterer Ratschlag von Barbara Buchegger ist, im Gespräch zu bleiben. Gemeinsam mit den Kindern das virtuelle Universum entdecken. „Kinder sind oft unter sich im Netz. Sie erarbeiten ihre eigenen Regeln und Umgangsformen und möchten darüber sprechen“, ermutigt die erfahrene Pädagogin von www.saferinernet.at, einer Plattform für sicheres Surfen. Mit dem Vergleich, dass Eltern ihre Kinder nie alleine im Straßenverkehr lassen würden, malt sie mir ein bleibendes Bild in den Kopf.

“Wir begleiten das Kind anfangs über den Zebrastreifen, erst später darf es alleine gehen. Wenn alle Gefahren und Regeln klar sind. So sollten Eltern auch im Netz handeln.” Auch Golli Marboe erwähnt in seinem Vortrag, dass die Aufklärung über Cybermobbing oder Datenschutz ein wichtiges Werkzeug für einen bewussten Umgang mit digitalen Medien ist. “Jedoch liegt mir am Herzen, dass etwas Maßgebliches in Punkto Medienerziehung beachtet wird”, empfiehlt Thomas Brezina.

Medienbildung muss nicht weh tun

“In meinen Geschichten und Beiträgen versuche ich, niemals zu belehren. Ich erreiche mein junges Publikum über die Vorbildfunktion der Charaktere!” Der Kinderbuchautor warnt davor, zwischen Unterhaltung und Bildung zu unterscheiden. Zwischen leichter Kost und schweren Inhalten. “Das führt in der Regel zu frustrierten Erwachsenen und Kindern.” Er fasst die moderne Einstellung zusammen: „Bildung muss nicht weh tun. Und Kinder haben ein Recht auf Unterhaltung und Trash. Es kommt wie immer auf die Dosis an!“ Ein entspannter und weltoffener Thomas Brezina. Warum habe ich ihm in der Pause nicht die Hand geschüttelt? Das mit dem Bloggen muss ich noch lernen…

Die Vortragenden

Barbara Buchegger: Barbara Buchegger, M.Ed, Expertin für digitale Medien in der Bildung und Weiterbildnerin von Lehrenden im Berech E-Learning und Safer Internet. www.saferinternet.at

Margret Albers: Medienwissenschaftlerin (M.A.), Geschäftsführerin der Deutschen Kindermedienstiftung „Goldener Spatz“ und Leiterin des gleichnamigen Festivals. www.goldenerspatz.de/

Thomas Brezina: Filmproduzent, Autor. International erfolgreich, etwa 550 Bücher in 40 Sprachen. Für den ORF produziert er das Kinderprogramm. www.thomasbrezina.com

Golli Marboe: Obmann VsUM: freier Journalist und ORF Konsulent, ehem. Filmproduzent und Lehrender an der Donauuniversität Krems u. Katholischen Medienakademie. www.vsum.tv

Quellenangabe Titelbild: © Tom Storyteller GmbH honorarfrei

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