WIENER KINDERLESEFEST: Werbung und Gratisbuchrausch

WIENER KINDERLESEFEST: Werbung und Gratisbuchrausch

Die Rabaukentochter und ich haben das “Wiener Kinderlesefest” im Rathaus besucht. Mehr als 40.000 kostenlose Bücher für Kinder bis 14 Jahren standen für die BesucherInnen bereit. Lesungen und Werbung inklusive. Unser Eindruck: Gestresste Eltern im Gratisbuchrausch.

Warteschlangen im Rathaus

Brav harrten die Eltern aus, während ihre Kinder im Hof des Wiener Rathauses zwischen den Sponsoren wie “Kronenzeitung” und “McDonalds” herumwuselten. Nebenbei betrachtete man den Clown, es gab Lesungen, Kinder ließen sich schminken. Das Unterhaltungsprogramm war dringend notwendig. Denn zu den heiß begehrten Büchern gelangte man nur zu den Öffnungszeiten, um 10:00, 13:00 und 16:00.

Jeweils eine halbe Stunde davor, schloss die Volkshalle ihre Tore. Die MitarbeiterInnen des “Echo-Verlages” füllten die Buchbestände für die nächste Masse an BesucherInnen nach. Dann stapelten sich draußen die Erziehungsberechtigten und Kinder, Luftballons sowie Goodie-Sackerl. Man wartete brav.

Auf Bücher-Inseln türmten sich bunt durchgemischte Werke. Für jede Altergruppe war etwas dabei, Mädchenliteratur und Lesestoff für Jungs, bunt durchgemischt. „Erstens ist gendern nicht gut. Und zweitens bekommen wir von den Verlagen tausende verschiedene Buchtitel. Es ist organisatorisch unmöglich, die Werke geschlechterspezifisch zu ordnen.“ Das erklärte Mag. Kristina Pawel, Projektmanagerin von “Echo”, als ich freundlicherweise ins Lager blicken durfte.

Nahkampfzone vor den Büchern

Kaum wurde Einlass gewährt, flitzte die “Vater- Mutter- Kind- Masse” mit einem unerwartet fixem Tempo nach vorne, hinein zu den tausend Kinderbüchern. Auf der einen Seite drängte man sein Kind weiter und auf der anderen Seite mussten die Eltern schubsende Personen blockieren. Was geordnet im Hof begonnen hatte, endete in einem Gerangel vor den Printwerken. Doch die Securitys, erfahren und souverän, schlichteten die Wühlzone, indem sie einen geregelten Linksverkehr an den Gabentischen gewährleisteten.

Ebenfalls schafften es die “Echo”-MitarbeiterInnen durch eine geschickte „Bon-Strategie“, dass selbst beim letzten Termin um 16:00 genügend Werke für alle vorhanden waren. Jedes Kind hatte bereits am Eingang drei Bons erhalten, gegen die es dann Bücher eintauschen durfte. Das ganze Gedränge war sinnlos gewesen, stellte ich fest.

Kritikpunkt Werbung

Verlage und SponsorInnen promoteten sich fleißig. Doch das war zu erwarten, weil das “Wiener Kinderlesefest” finanziert werden musste. Da darf man dem “Echo-Verlag” nichts vorwerfen. Und wenn jedes Kind, das im Rathaus dabei war, drei Bücher mehr als sonst in diesem Sommer geschmökert hat, verdient das “Wiener Kinderlesefest” einen lauten Applaus!

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